Vertrauen(ssache) - Kapitel 5 (Drama, P12)

Roman musste sich die fünf Minuten Pause schon einmal gönnen. Augen zu, positive Gedanken denken und einfach runterkommen. Er atmete noch einmal tief ein bevor er der Empfangsliste seine komplette Aufmerksamkeit schenkte. Nun richtete er sich noch so auf, dass er eine gerade Sitzhaltung einnahm. Volle Konzentration auf die Liste, die vor ihm auf Adrians Schreibtisch lag. Sorgsam ging er die Liste durch fing bei dem ersten Eintrag beim Datum an. Die Liste wurde vor eineinhalb Wochen zum Monatsanfang begonnen. Es war Herbst und die Tage fanden ihren Anfang und Ende mit Regen. Wie Herbst fühlte es sich aber dennoch nicht an. Die Eiseskälte am Tag und der Wind erinnerten ihn eher an den Winter. Das ist auch der Grund warum sich die Besucherzahlen derzeit in Grenzen hielten. Die Empfangsliste war kurz und demzufolge auch übersichtlich. Bereits nach zehn Minuten hat Roman das Ende der Liste erreicht. Für den gestrigen Tag gab es ausschließlich einen Besucher. Nun hatte er eine Spur, welche er auch nachgehen konnte. Alles was er noch tun musste war diese Person aufzuspüren und sie zu befragen. Aber wo konnte sie sich um diese Zeit befinden?

Dieser Gedanke hielt nicht länger an, denn die aufgehende Tür ließ Roman kurz aufschrecken. Er konnte sich aber schnell wieder beruhigen, denn im Türrahmen stand Boris. Roman blickte ihn für einen Moment fragend an. Leider wollte sein Gegenüber nicht darauf eingehen und es wurde ruhig. “Kann ich dir helfen?”, frage Roman seinen Bruder. “Ich wollte zu Magda. Den Einsatzplan besprechen. Aber da du hier draußen sitzt gehe ich davon aus, dass sie entweder beschäftigt oder gerade nicht da ist”, antwortete Boris kalt und leicht schnippisch. “Ihr hattet das doch letzte Woche schon beredet. Ich dachte das wäre nun alles geklärt”, reagierte Roman irritiert und fuhr fort, “Zudem ist sie gerade wirklich nicht da. Sie liegt im Krankenhaus. Jemand fand es scheinbar lustig sie im Hinterhalt zu attackieren”. Wer hätte schon gedacht, dass sich Boris’ Mundwinkel bewegen können? Überraschenderweise zeigte er Emotionen. Mit einem Ruck drehte er sich um und hatte bereits die Türklinke in der Hand. Unerwartet wütete er los, “Wenn ich dieses verdammte Mistschwein erwische, dann...”. Aber Roman zog ihn zurück und seine Hand rutschte von der Klinke ab. “Kannst du mal etwas leiser sein und dich abregen, Boris?”, schrie ihn sein Bruder leicht an. “Mir geht’s genauso wie dir, aber das macht es auch nicht besser”, versuchte er ihn in einem ruhigen Ton zu beschwichtigen. “Und jetzt setz’ dich hin und hör’ mir zu. Ich habe einen Plan, wie wir ihn oder sie bekommen können”, fuhr Roman fort. Boris schien sich beruhigt zu haben. Sein Gesicht nahm wieder seine normalen Züge an. Er sah so emotionslos wie vorher aus.

“Schau’ dir das mal an”, forderte er Boris auf und schob ihm das Schriftstück unter die Nase. “Das ist eine Liste. Was ist damit?”, entgegnete er. “Was soll uns das bringen? Es wird sich doch niemand als potentieller Mörder anmelden”, ergänzte er. Roman seufzte als Antwort. “Das ist Adrians Empfangsliste. Und ich habe vor sämtliche Personen zu befragen, die zuletzt hier waren. Vielleicht hat sogar jemand den entscheidenden Hinweis”, beschrieb er seinen Plan. “Und bei wem fangen wir an?”, lenkte Boris ein. “Bis jetzt war nur eine Person hier. Und das war Natascha. Also wird sie die erste sein”, verkündete Roman. Dieses Mal konnte er nicht einmal ein Zucken auf Boris’ Gesicht sehen. “Boris, weißt du wo Natascha gerade ist? Da können wir gleich anfangen”. Er brauchte eine wenig bis er antwortete, “Nein. Hab’ sie heute noch nicht gesehen. Vielleicht steckt sie gerade wieder in Vorbereitungen für eine Unterrichtsstunde fest. Bei der Anzahl von Lehrkräften und Unterrichtsstoff kann das schon sehr zeitfressend sein”. “Mh”, sagte Roman, “Dann klappern wir am besten alle Unterrichts- und Vorbereitungsräume ab und schauen, ob wir sie finden können. Fangen wir am besten gleich bei Chemie an. Das ist gleich um die Ecke”. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, erhoben sich die Brüder nahezu synchron von ihren Stühlen und machten sich auf um die besagten Räumlichkeiten zu durchsuchen.

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