Vertrauen(ssache) - Kapitel 2 (Drama, P12)

Fünfzehn Minuten später finden sich Roman und Georg auf der Intensivstation wieder. “Sie liegt dort gleich im ersten Zimmer”, sagte Georg und zeigte mit seinen linken Zeigefinger Richtung rechts. “Und wie bereits gesagt, versuche sie bitte nicht mit Absicht zu wecken. Und falls sie wieder Bewusstsein erlangt, beruhige sie”. Zustimmend nickte Roman kurz seinen Kopf und machte sich auf den Weg zu seiner Frau. Seiner Magda. Es war nur ein Katzensprung bis er sie gefunden hat. Zimmer Nummer 05. Durch die transparenten Wände konnte er sie betrachten. Sie lag in einem herkömmlichen Krankenbett und war umhüllt von weißer Bettwäsche ohne auffällige Muster. Von außen sah sie gerade so friedlich aus. Als ob sie wieder eines ihrer täglichen Mittagsschläfchen halten würde. Aber Roman wusste, dass das nur ein Trugbild war. Er wusste, dass sie gerade Schmerzen aushalten musste und nur aufgrund diverser Schmerzmittel nicht zähneknirschend im Bett wach liegt. Bevor er den Schritt durch die Pforte machte, drehte er sich kurz um. Mit den Rücken zu ihr, angelehnt an der Außenseite der Wand. Seufzend fuhr er sich durch seine kurzen Haare und stellte sich mehrmals die gleiche Frage. Wieso? Wieso sollte jemand Magda wehtun wollen? Sie ist eine der liebsten Menschen, die er kennt. Es gibt selbstverständlich Dinge, die auch sie stören. Dennoch würde sie immer eine friedliche Methode finden um das Problem zu lösen. Er musste sich eingestehen, dass er sich viel zu viele Sorgen um Magda machte. Aber er konnte sie auch selten von ihren teilweise verrückten Ideen abbringen. Nun ruhte sie sich von den Schock aus. Das wichtigste war erst einmal, dass es ihr gut geht und keine Lebensgefahr besteht. Er war sich aber sicher, dass der Angreifer gestellt und seine Strafe erhalten wird.

Roman atmete noch einmal tief ein und aus bevor er sich wieder umdrehte und der Holztür mit grauer Amatur gegenüber stand. Er zögerte ein wenig bis er den kalten Türknauf erfasste und in Magdas temporärer Unterkunft eintrat. Jetzt stand er vor ihr und verglich ihren Anblick mit dem Gesicht, welches ihm heute Morgen noch einen schönen Tag wünschte. Aus einem freudigen Lächeln wurde ein emotionsloses, schlafendes Gesicht. Es machte ihn traurig seine Frau so ansehen zu müssen. Warum sollte sie solch ein Leid ertragen müssen? Wieso bloß? Er inspizierte den Raum um eine passende Sitzmöglichkeit zu finden. Scheinbar war diese Einrichtung beziehungsweise diese Abteilung auf keine Besucher eingestellt. Nicht einmal in den Ecken befand sich ein einfacher Klappstuhl. Die Situation hielt ihn dennoch nicht davon ab sich in Richtung des Bettgestells zu begeben. Roman hielt sich kurz am Bettende fest. Er glitt langsam mit seinen Fingern über Magdas Beine, welche von der schweren Bettdecke versteckt wurden. Weiter über ihren Oberarm bis er einen Aussetzer machte. Mit seiner linken Hand berührte er sie nun. Das warme Gefühl unter seiner Handfläche und seinen Fingerspitzen zu fühlen brachte ihn ein wenig zur Ruhe. Langsam kniete er sich runter zu ihr um ihr noch näher zu sein. Seine linke Hand platzierte er auf ihre linke Hand. Roman streichelte sanft die Fingerknöchel seiner Geliebten in der Hoffnung, dass sie im Unterbewusstsein seine Anwesenheit spürte. Das alles brachte ihn in Rage. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte der Täter bereits geschnappt werden können und säße bereits hinter Gittern. Aber das war alles nur sein Wunschdenken. Wie sollte er einfach so dasitzen und warten können bis etwas passiert? Eines war im klar, Roman musste noch einmal mit Georg sprechen. Vielleicht konnte er zwischenzeitlich neue Informationen beschaffen.

Magda schien die innerliche Nervosität ihres Gegenüber zu spüren. Wenige Minuten nach Romans Eintreffen öffnete sie langsam ihre Augen. Sie blicke auf eine kahle, weiße Wand. Und ihre linke Hand fühlte sich so warm an. Ein Blick nach unten verriet ihr, dass eine große Hand über ihre lag. Sofort erkannte sie wem diese gehörte. Um ihrer Vermutung nachzugehen wand sie ihren Kopf nach links und erblickte seine dunklen Haarspitzen. Es war Roman. Roman war an ihrer Seite und hielt ihre Hand. “Was ist passiert?”, fragte Magda. “Wieso bin ich im Krankenhaus?”. Überrascht drehte sich Roman zu ihr. Er konnte nicht anders als sich leicht über sie zu beugen, seine rechte Hand an ihre Wange zu legen und ihre Lippen zu küssen. Als er sich wieder aufrichtete bemerkte er ihren verwirrten Gesichtsausdruck. Seufzend versuchte Roman eine Anfang zu finden. Eine Erklärung für alles. “Wenn du schaffst ruhig und gelassen zu bleiben?”, stelle Roman als Gegenfrage. “Es ist alles gut, wir werden das alles klären.”, fing er hastig an. “Roman, komm’ zum Punkt!”, sagte sein Gegenüber ungeduldig. Roman holt noch einmal tief Luft und sagte ruhig, “Du wurdest mit einem Dolch angegriffen. Und bisher ist noch nicht bekannt wer es war”. Leicht lächelnd fügte er hinzu, “Die Wunde ist zum Glück nicht lebensbedrohlich. Also wird alles gut”. Magda schien weiterhin verwirrt zu sein. Sie fragte “Wann? Wo? Wie?”. Scheinbar hatte sie neben der Verletzung am Rücken nun auch einen Blackout als Folgeschaden.

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